DIY: Kalligraphie Teil 2 – Großbuchstaben, Buchstabenvariationen und verschiedene Tinten

Diese Woche geht es mit unserer Kalligraphie-Serie weiter. Natascha von Tintenfuchs widmet sich diesmal den Großbuchstaben, Buchstabenvariationen und verschiedenen Tinten. Den ersten Teil über Materialien, Grundstriche und Kleinbuchstaben könnt ihr hier nachlesen. Außerdem findet ihr dort auch unser Übungsblatt zum Download.

DIY Kalligraphie Anleitung Großbuchstaben | we love handmade Wie auch die Kleinbuchstaben, setzen sich die Großbuchstaben aus verschiedenen Elementen zusammen. Hier gibt es aber noch viel mehr Möglichkeiten für Mix & Match, da sich viele Elemente bei fast jedem Buchstaben verwenden lassen. Anhand des A lässt sich das sehr gut erklären. Zuerst habe ich drei verschiedene Anfangsstriche gezogen (oben beginnend, damit ein schattierter Strich entsteht), die sich alle super eignen. Darunter sind ein paar Schnörksel, die man ebenfalls dranhängen kann. All diese Elemente lassen sich bei beliebigen Buchstaben einsetzen, bei denen ein ähnlicher Strich vorkommt, wie beim A.
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B
Auch hier lässt sich der Eingangsstrich variieren, um ein abwechslungsreiches Schriftbild zu gestalten.
C
Das C hat so seine Tücken. Wie in Teil 1 erwähnt, basiert ziemlich viel auf Ovalen. Auch das C ist ein halbes Oval, bei dem der Eingangsstrich auch wieder ein Oval andeutet.
D
Das D lässt sich in einem Zug schreiben. Es wird leicht zu bauchig, daher achtet bei der Schlaufe, die an der Grundlinie ankommt, darauf, dass ihr nicht zu weit nach rechts kommt. Oder aber ihr schreibt es in zwei Zügen, wodurch ihr wieder Gestaltungsspielraum bei Stamm habt. Auch die obere Schlaufe ist kein muss, hier lassen sich auch beliebige Formen einfügen.
E
Beim E gilt es wieder zu beachten, dass alle Teile aus Ovalen bestehen.
F
Das F ist ein toller Buchstabe. Da auch er einen hübschen Stamm hat, kann man diesen wieder beliebig variieren. Auch an der Horizontalen lassen sich beliebige Schnörksel (engl. „flourishes“) einbauen, am besten aber am hinteren Teil, damit der Buchstabe nicht optisch kippt.

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G
Mit der Unterlänge lässt sich beliebig spielen, der Hauptteil ist wieder ein Oval.
H
Der erste Teil ist hier keineswegs Pflicht, auch hier lassen sich die Elemente beliebig mit den bereits kennengelernten austauschen. Auch eine Verbindung von Strich zwei zu drei kann hübsch sein.

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I & J
Diese beiden Buchstaben sind ziemlich klar und sehr ähnlich. Es gibt davon auch zahlreiche Varianten, die fallen aber dann eher in den fortgeschritteneren Bereich.

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K
Hier ist es hilfreich, die Striche zuerst einzeln zu üben. Der vorletzte Strich nimmt etwa drei Viertel der Stammlänge ein, wenn die beiden letzten Striche gleich lang sind, wirkt der Buchstabe nicht recht ausbalanciert
L
Wo man beim L beginnt, kann sehr variabel sein. Die erste Schlaufe muss gar nicht sein. Probiert einfach mal aus, wie euer Buchstabe aussieht, wenn ihr sie verlängert, in die andere Richtung macht, auslasst …
M & N
Die Strichreihenfolge muss nicht so sein, wie ich sie hier zeige. Wie man erkennen kann, habe ich am Anfang von oben nach unten geschrieben, man kann aber durchaus auch unten anfangen und den Schatten beim zweiten Strich setzen. Natürlich kann man auch den Stamm wieder variieren und auch am Ende noch spielen. Beim M sollten Striche eins und drei, sowie zwei und vier parallel sein, damit hier nichts optisch kippt. Das gleiche gilt für Striche eins und drei beim N.

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O
Trickreiches O :) bis das mal so richtig schön oval ist, kann es dauern: Mein einziger Tip hier ist, dass sich bitte keiner entmutigen lässt.
P & R
Auch hier habe ich nur die einfachsten Varianten vorgeschrieben. Die Elemente sind ja mittlerweile bekannt. Wie beim K gilt es, auf die Balance der letzten beiden Striche zu achten.
S
Mein S ist eher klassisch, variieren kann ich es, indem ich zB am Anfang eine Spirale einbaue.
T
Das T bietet wieder besonders viele Möglichkeiten, es zu variieren, da es so viele auslaufende Striche hat. Probiert bei jedem Ende mal aus, Kringel und Schlaufen etc. einzubauen. Damit kann man sich schon ein paar Wochen, äh, Stunden beschäftigen.

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U
Altbekannter Anfang, der Rest ist gleich wie beim kleinen u. Achtet darauf, dass die Linien schön parallel verlaufen, damit es nicht auseinander oder nach Innen kippt.
V & W

Dazu gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Im Prinzip stellt ihr das M beim W auf den Kopf. Achtet wieder darauf, dass die Linien parallel zueinander sind, sonst wird es wackelig.
Y
Das Y bietet dank seiner Unterlänge wieder zahlreiche Spielmöglichkeiten. Lasst die Unterlänge aufhören, anstatt wieder hochzukommen, oder führt sie noch einmal um den Buchstaben herum, oder …
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X
Ein C. Ein Umgekehrtes C. Und ein Strich durch. Klingt leichter, als es ist!
Z
Siehe kleines z.

Verschiedene Tinten
Im ersten Teil habe ich bereits ein paar Tinten erwähnt, die sich zum Schreiben eignen. Hier möchte ich jetzt noch etwas detaillierter auf die bei uns in Österreich erhältlichen Produkte eingehen. Ich habe so ziemlich alle Sorten ausprobiert, es eignen sich leider nicht so viele für die Spitzfeder, wie für die Breitfeder. Hier eine kleine Auswahl.

Acryl
Es gibt z.B. von der Marke Liquitex sehr hübsche Tinten in leuchtenden Farben. Ich habe damit keine brauchbaren Resultate zustande gebracht, außerdem zerstören sie in Windeseile die Federn.

De Atramentis Füllfedertinte
Ich habe von dieser Marke die Maiglöckchen- und die Jasmintinte und beide kann ich wärmstens empfehlen. Ein paar Tropfen Wasser und Gummiarabicum sind auch hier vonnöten, aber dann fließen sie wunderbar von der Feder und es ist ein Traum, damit zu schreiben.

Gouache
Ich kenne einige Kalligraphen, die fast ausschließlich mit Gouache arbeiten. Diese Farben gibt es in der Tube, man muss sie mit Wasser anrühren, um zu der passenden Konsistenz zu kommen. Fertig ist die Mischung, wenn sie etwa die Dicke von Milch hat. Dann einen Pinsel eintunken und die Feder damit bestreichen.

Rohrer & Klinger
Von R&K gibt es sehr viele Tinten, leider sind für unsere Zwecke nicht alle sinnvoll. Sehr gut funktioniert die Eisengallustinte dieser Marke, die gibt es z.B. in den Sorten Scabiosa (violett) und in Salix (blau), beide wunderschön. Noch besser klappt es, wenn man sie mit ein wenig destilliertem Wasser und Gummiarabicum mischt. Das Gummiarabicum ist ein Bindemittel, das dem Verlaufen ein bisschen entgegenwirkt.
Es gibt auch noch andere wunderbare Farben, alle habe ich nicht durchprobiert, aber viele, mit mäßigem Erfolg. Um Enttäuschungen vorzubeugen, würde ich bei den Farben bleiben, wo Eisengallustinte auf der Flasche steht. Achtung: Eisengallustinte macht Federn kaputt!

Sennelier Schellacktusche
Nein. Geht nicht. Glaubt mir. Ich habe alles versucht: Wasser, Gummiarabicum, diverse Lösungsmittel, Alkohol, pur, … unmöglich, mit dieser (leider so wunderschönen) Tusche und der Spitzfeder anständig feine Linien hinzubekommen. Meist patzt sie einfach nur von der Feder herunter.

Sumi
Sumi ist eine tiefschwarze, hochpigmentierte Tusche, die ihr vielleicht von der japanischen Kalligraphie oder der chinesischen Tuschezeichnung kennt. Es gibt sie als trockenen Stick, den man an einem Reibstein mit Wasser selbst zur Tinte machen kann, aber auch schon in flüssiger Form. Sie ist eher dickflüssiger, daher kann man keine sehr feinen Linien schreiben. Sumi trocknet leicht glänzend, was ich sehr mag, und ist auch sonst sehr angenehm in der Handhabung. Man kann sie auch noch sehr stark mit Wasser verdünnen, ohne dass sie an Schwärze einbüßt. Für die digitale Reproduktion verwende ich ausschließlich Sumi, da sie lichtecht ist und die etwas stärkeren Linien beim Scan erhalten bleiben.

Winsor & Newton Zeichentusche
Die hübschen eckigen Fläschchen gibt es in jedem Zeichenbedarf, aber sie sind für pointed pen leider nicht sehr geeignet: Sie sind schlichtweg zu flüssig. Die Spitzfeder kratzt am Papier, wodurch die Tinte sehr gut ins Papier eindringen kann und dadurch das „Federn“ auslöst, ein Effekt, bei dem die Tinte grausig verläuft.

Winsor & Newton 951 Indian Ink
Ich hatte schon öfters gehört, dass man von Indian Ink eher die Finger lassen sollte, aber ich musste es doch probieren. Sie lässt sich im unverdünnten Zustand doch sehr bitten, von der Feder herunterzufließen, mit etwas destilliertem Wasser geht es aber. Haarlinien gibt es zwar keine, auch die Feinkontrolle lässt etwas zu wünschen übrig, dafür ergibt sie nach dem Trocknen ein wunderschönes, glänzendes Tiefschwarz.

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So, das war Teil zwei. Viel Spaß beim Üben, nächstes Mal kommt dann das, was ich gerne „fancy shit“ nenne, Verläufe, Gold, Glitzer und sowas.

Die Kalligraphie-Tutorials im Überblick:

DIY: Kalligraphie Teil 1 – Materialien, Grundstriche und Kleinbuchstaben

DIY: Kalligraphie Teil 2 – Großbuchstaben, Buchstabenvariationen und verschiedene Tinten

DIY: Kalligraphie Teil 3 – Wasserfarbe, Verläufe und Glanzpigmente

Anleitung: Natascha Safarik | Facebook | Instagram | Twitter
Fotos: we love handmade

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